Wer gegenüber einem Tier Mitleid fühlt,dem wird auch Gott Mitleid schenken.

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Giftschlangen, fliegende Schlangen, eine Schlangen-Insel und Schlangen in Deutschland: Die Reptilien sind lange nicht so gefährlich wie ihr Ruf und äußerst faszinierend. Warum ist zum Beispiel die Schlangenzunge gespalten? Erstaunliches und Wichtiges aus der Welt der Schuppenkriechtiere.

Die giftigste Schlange der Welt

Als giftigste Schlange der Erde gilt der Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus) aus Australien. Mit dem Gift eines Bisses könnte er theoretisch bis zu 250 Menschen töten. Der Inlandtaipan lebt jedoch in sehr trockenen, unbewohnten Regionen des australischen Outback und Bissunfälle sind mehr als selten.

Die längste Giftschlange der Welt ist die Königskobra. Die zweitlängste die Schwarze Mamba, benannt nach der dunklen Innenseite ihres Mauls. Auch diese beiden gehören zu den giftigsten Schlangen der Welt.

Die giftigste Schlange der Welt
Inlandtaipan in Australien © Ken Griffiths/iStock/Getty Images

Giftschlangen in Deutschland

In Deutschland sind zwei giftige Schlangen heimisch: Die Kreuzotter und die Aspisviper. Die Aspisviper kommt in Deutschland nur noch im Südschwarzwald vor und ist vom Aussterben bedroht. Die Kreuzotter lebt in Mooren und Heiden Norddeutschlands, in den östlichen Mittelgebirgen und vereinzelt in Süddeutschland. Sie ist ebenfalls selten geworden und stark gefährdet.

Von den Schlangen gebissen zu werden, ist unwahrscheinlich. Auch weil Schlangen flüchten, wenn sie Bodenvibrationen durch Schritte spüren. Das Gift beider Arten ist höchstens für Kinder und alte Menschen gefährlich. Bedrohlicher ist eine allergische Reaktion wie nach Wespenstichen.

Wie sieht eine Kreuzotter aus?
Giftschlange in Deutschland: Kreuzotter mit dunklem Zickzackmuster © Imago/blickwinkel/R.Sturm

Schlangen furzen – zur Verteidigung!

Viele Schlangen geben bei Gefahr Warnlaute von sich. Wie ihr typisches Zischen oder das Rasseln der Klapperschlange. Manche Schlangenarten knallen, indem sie Luft aus ihrer Kloake pressen, ihrem einen Körperausgang für Ausscheidungen und Geschlechtsorgane. Cloacal Popping –  Kloakenploppen nennen Wissenschaftler das Phänomen, das tatsächlich ähnlich klingt wie Fürze und etwa zwei Meter weit zu hören ist.

Fliegende Schlange

Bis zu 30 Meter können Schmuckbaumnattern durch die Luft gleiten, um von einem Baum zum nächsten zu gelangen. Sie leben in den Regenwäldern Südostasiens. Für ihren Gleitflug stoßen sie sich ab, spreizen Rippen und Körper flach auf und schlängeln sich in Wellenbewegungen durch die Luft.

Warum die Schlangenzunge gespalten ist

Schlangen können sehr gut riechen: Mit ihrer Zunge, an deren Enden Riechknospen sitzen. Beim Züngeln ertasten und erschnüffeln die Kriechtiere ihre Umgebung. Die Schlangenzunge schnellt heraus, nimmt feinste Geruchsmoleküle auf und zieht sich zurück an den Gaumen. Hier sitzen Einbuchtungen mit Riechzellen, das sogenannte Jacobsonsche Organ, von welchem die Gerüche verarbeitet werden. Durch die beiden Spitzen ihrer gespaltenen Zunge können Schlangen bestimmen, aus welcher Richtung ein Geruch kam.

Warum züngeln Schlangen? Warum ist ihre Zunge gespalten?
Züngeln mit gespaltener Zunge © Imago/imageBROKER/Clément Carbillet

Eingebaute Wärmebildkamera

Einige Schlangen haben einen sechsten Sinn. Sie können ihre Umgebung als Wärmebild wahrnehmen und so zum Beispiel Beutetiere im Dunkeln orten. Besonders Vipern, Boas und Pythons verfügen über den Infrarotblick. Je nach Art nehmen zwei verschiedene Sinnesorgane die Wärmestrahlen wahr. Das Grubenorgan, nach welchem die Grubenotter benannt ist, sitzt in winzigen Vertiefungen auf beiden Seiten oberhalb der Nase. Boas und Pythons haben Labialgruben in einer Schuppenreihe entlang ihrer Lippen.

Die größte und die kleinste Schlange der Welt

Die kleinste bekannte Schlangenart ist eine Schlankblindschlange (Leptotyphlops carlae) von der Karibikinsel Barbados. Sie wird nur zehn Zentimeter lang und ist „dünn wie Spaghetti“, wie ihr Entdecker beschreibt.

Als größte und schwerste Schlangen der Welt gelten Anakondas mit bis zu 250 Kilogramm Gewicht und neun Metern Länge. Anakondas gehören zur Familie der Boas und leben in den Gewässern der Amazonasregenwälder. Aber auch die Netzpythons und Tigerpythons Südostasiens können sechs bis acht Meter lang werden. Einiges kleiner bleibt die Königsboa (Boa constrictor), auch Abgottschlange genannt.

Fette Beute ohne zu kauen

Was fressen Schlangen? Warum können sie ihr Maul so weit öffnen?
Kreuzotter frisst eine Maus © Imago/blickwinkel/R. Sturm

Schlangen sind Raubtiere und Fleischfresser. Je nach Art und Größe fressen sie Insekten, Kaulquappen, Frösche, Eier, Fische, Nagetiere, Vögel, andere Schlangen oder große Säugetiere wie Gazellen und Jaguare. Im Verhältnis zu ihrem Körper können Schlangen enorme Mengen fressen und Tiere verschlingen, die größer sind als sie selbst.

Das Schlangenmaul lässt sich so weit öffnen, weil die Schädelknochen durch dehnbare Bänder verbunden sind. Die extrem starke Magensäure der Schlangen löst selbst Knochen und Zähne der Beute auf. Nur Haare, Federn und Krallen werden wieder ausgeschieden.

Über ein Jahr ohne Nahrung

Nach einem großen Fang können Schlangen monatelang auskommen, ohne zu fressen. Riesenschlangen sogar über ein Jahr. Denn als Reptilien sind Schlangen Kaltblüter. Anders als Säugetiere müssen sie sich nicht unter hohem Energieaufwand wärmen. Sie passen sich der Außentemperatur an und sind immer nur so warm wie ihre Umgebung. Wechselwarm nennt man das auch.

Wie Schlangen hören

Schlangen haben keine Ohröffnungen. Trotzdem sitzt in ihrem Kopf ein Innenohr mit Hörschnecke. Schlangen nehmen zwar keine Schallwellen aus der Luft wahr, aber hören über Bodenschwingungen, die über ihren beweglichen Unterkiefer in das Innenohr übertragen werden.

Im Video beantworte ich noch mehr Fragen zu den faszinierenden Tieren. Auch was man nach einem Schlangenbiss tun sollte: